Venedig 1999

Manchmal geschehen Dinge, die gar nicht so gewollt sind. Ein voreiliges Wort wird gesagt,und schon hat man was versprochen. So war es auch mit Venedig.

Auf der Rückfahrt von der LKV-Masurenfahrt 1998 wurde Fahrtenleiter Werner Born gefragt: "Was bietest Du als nächste schöne Fahrt an?" Er antwortete leichtfertig und halb im Scherz: Venedig. Das stand im Raum. Das Interesse war groß; es gab kein Zurück mehr.
So machten Brigitte und Werner Born im April 1999 eine private Kanu-Erkundung in und um Vendig, um eine vernünftige Ausschreibung vorzubereiten.
Tatsächlich meldeten sich dann im Januar 2000 15 Personen für die Fahrt aus den verschiedensten Heimatorten - Berlin, Hamburg, Wilhelmshaven, Bad Krozingen und natürlich auch Bremen - im April an. Etliche kannten sich schon von der Polen- bzw. Lettlandfahrt des Landes-Kanu-Verbandes.
Für den ersten Tag erhielten alle eine Tagesfahrkarte für alle Schiffslinien, und es war eine Stadtführung bestellt, die von Silvana Bortolini trotz strömenden Regens hervorragend durchgeführt wurde.
Der zweite Tag zeigte sich von stürmischer Seite, an Paddeln war nicht zu denken. Also ging es in Galerien, Kirchen, Museen. Endlich, am dritten Tag starteten die TeilnehmerInnen in ihren Kajaks in Richtung Stadt. Die vierzehn Kajaks davon drei Zweier, einer davon ein Faltboot - wurden aus Sicherheitsgründen in drei Kleingruppen eingeteilt.
Die Gruppenleiter fuhren wie auf Großgewässern sinnvoll - hinter ihren Gruppen und hatten sie so im Auge. Ein "Kartenleser" fuhr voran. Jedes Boot hatte eine einlaminierte Seekarte der Gegend. Es ging problemlos etwa 45 Minuten über die Lagune von Punta Sabbioni nach Venedig.

Brigitte Born erinnert sich: "Bis auf ein paar Schiffswellen und Mini-Brechern an Flachstellen ist das Wasser ruhig, aber kaum haben wir die Enge zwischen Fort S. Andrea und dem Lido erreicht, wird es kabbelig. Wir passieren mit Geschaukel den Schiffsanleger von S. Elena und versuchen, zum Verschnaufen in einen Kanal einzubiegen. Der hat jedoch heftigen Wassertaxen-Verkehr, also wieder raus und in den nächsten Kanal. Der jedoch ist ein "Rio chiuso", also gesperrt. Erneut raus in das Geschaukel, um den nächsten Schiffsanleger. Erstaunlicherweise haben wir keine Kenterung.
Die Sonne scheint, das Unbehagen der Turbulenzen legt sich beim dritten Einbiegeversuch, und der Blick öffnet sich für die Einzigartigkeit dieser Stadt. Wir folgen unserem Fährtenleser im Gänsemarsch. Die Menschen auf den Brücken staunen über uns, wir geniessen, dass es Wirklichkeit geworden ist: Einmal durch Venedig paddeln. Die uns begegnenden Gondolieri sind bis auf Ausnahmen fair bis freundlich zu uns. Boot fahren ist in Venedig immer hoch angesehen, es ist älter als der Sport und ein Kulturgut. So fühlen wir uns als Gäste und nicht als Eindringlinge. Ein Höhepunkt ist natürlich die Unterquerung der Rialto Brücke auf dem Canale Grande. Drei Stunden schlängeln wir uns durch die Stadt. Die Rückfahrt von der "Rückseite" am Krankenhaus mit seinen Bootambulanzen vorbei hat weniger bewegtes Wasser. Auf dem Campingplatz Miramare zurück freuen wir uns, dass gleich hinter dem Eingang Gelegenheit ist, mit einem Wasserschlauch das Meersalz von Kleidung, Schwimmwesten, Booten und Bootswagen abspülen zu können".

Weitere Paddeltage führten die Gruppe nach Burano, in die Adria nach Murano, S. Michele und zum Lido.
Beim Abschied gefragt, welches wohl das nächste Fahrten-Highlight sein könnte, antwortete Werner Born lakonisch: "Bowron Lake Paddle Circuit in den Cariboo-Mountains B.C. Kanada." Das haben er und Brigitte Born schon 1996 erkundet und für "geeignet" befunden.

 

 

Auszug aus dem "Bremer Sport Magazin 4/2000