KSF bei der Amsterdamer Grachtentochten2001

Erfahrene Paddler hatten uns nicht zuviel versprochen - unsere Fahrt mit einigen hundert Paddlern aus mehreren Ländern durch Amsterdam war ein besonderes Erlebnis. 10 KSF-Mitglieder und zwei Freunde vom BKW hatten sich auf diese Fahrt gefreut und kamen dank Sabines guter Wegbeschreibung und trotz Norberts Handy-Anweisungen (hallo Norbert ;-) recht pünktlich am Freitag abend in Amsterdam an. Lediglich beim Verladen steckte der Teufel mal wieder im Detail, als der Verfasser seinen einzigen Imbusschlüssel zur Befestigung des Dachgepäckträgers fallen ließ und selbst unter tatkräftiger Mithilfe zahlreicher Helfer im Rasen nicht mehr wieder finden konnte (den Helfern sei an dieser Stelle gedankt und verraten, daß der vermaledeite Imbus sich nach der Fahrt in der Vorratskiste wiederfand!).

Die Internationale I.C.F. grachtentochten 2001 wurde erneut ausgerichtet von der Kanovereniging Sloterplas in Amsterdam, die uns ihr Vereinsgelände und den davorliegenden Parkplatz zum Zelten zur Verfügung stellte. Schon der Anblick so vieler Kajaks und Kanadier und den dazugehörigen Zeltern auf engem Raum machte Lust auf eine ausgiebige Paddeltour. Am Samstag morgen versorgten uns die zahlreichen und freundlichen Helfer der KV Sloterplas mit allen nötigen Informationen für die abendliche Lichterfahrt und sogar mit Straßenbahnfahrkarten, um vorher schon einmal die Stadt ohne Auto erkunden zu können. Die einen zog es ins Van-Gogh-Museum, die anderen zum Flohmarkt an der Waterlooplein oder an andere schöne Ecken dieser Wasserstadt. Der Wettergott meinte es an diesem Samstag noch einmal richtig gut mit uns und so konnten wir uns nach einem sonnigen Bummeltag auf eine trockene Abendfahrt vorbereiten.

Pünktlich - oder, um es mit Inges Worten präziser zu sagen: ungewöhnlich pünktlich waren wir alle um 19 Uhr auf dem Wasser. Am Südausgang des Sloterplas, einer größeren Wasserfläche im Südwesten Amsterdams, versammelte sich das große Feld der Paddler und nach kurzem Gedrängel in der schmalen Ausfahrt startete die 21 Kilometer lange Tour. Da wir am Abend mit bald hereinbrechender Dunkelheit fuhren, waren alle Boote mit mindestens einer deutlichen Lichtquelle auszustatten. Die zahlreichen, verschiedenen Lösungen dieser Aufgabe waren erster Anlaß zum fleißigen Herum- und Abkucken. Hier waren es mit Tape befestigte, einfache Taschenlampen, dort professionelle wasserdichte Paddlerleuchten mit Saugnapf, der dann am Ende doch nicht hielt. Schön anzusehen auch einige Zweier-Kajaks mit selbstgebauten Mittelmast, Petroleumleuchte und Wimpelleine oder große 10er-Kanadier mit blinkenden Bauleuchten. Große und kleine, sogenannte Knicklichter, wie sie Angler häufig verwenden, machten sich ebenfalls hübsch als zusätzliche Leuchtkörper am Boot oder der Mütze.

Der auf diese Weise vielseitig beleuchtete Paddlerfluß bewegte sich unter den anerkennenden Blicken der Landratten zügig Richtung Stadtmitte. Nach drei Kilometern war eine längere Umtragestelle zu bewältigen, bei der sich Bootswagenbesitzer doch erheblich leichter taten. Schon nach wenigen Grachtenkreuzungen wußten wir dann die Hilfe der vielen Helfer zu schätzen, die uns jeweils vom Boot aus den Weg wiesen und ohne die wir uns sicherlich selbst mit Stadtplan hoffnungslos verfahren hätten. So konnten wir uns entspannt diese schöne Stadt aus der Wasserperspektive in der reizvollen Abendbeleuchtung betrachten. Selbst die sonst sehr zahlreichen Motorboote und Sightseeing-Schiffe hielten sich heute offensichtlich mit allzu waghalsigen Manövern zurück, sodaß wir dank der nötigen Aufmerksamkeit keine heiklen Situationen erleben mußten. Immerhin gaben uns die zahllosen schmalen Brücken und Kreuzungen einen Eindruck davon, wie konzentriert man ansonsten eine Paddeltour durch Amsterdam angehen sollte. Wer jemals mit dem Auto durch Paris fuhr, hat eine gute Vorstellung davon, was in den Grachten von Amsterdam gelegentlich so zu erwarten ist. Es gehört zum besonderen Reiz dieser Stadt, daß besonders am Wochenende nahezu jeder Bootsbesitzer - und das sind in Amsterdam wirklich viele - mit Freunden und Familie auf dem Wasser unterwegs ist. Da wird gespeist, gefeiert und im Boot getanzt, mal rüber und hinüber gewechselt und notfalls auch an besonders befahrenen Kreuzungen im Stau gestanden.

Wir hatten an diesem Abend wie gesagt Glück und genossen besonders die beleuchteten schönen, alten Häuserfronten. Im Rotlichtviertel freuten wir uns darüber, dem kommerziellen Gewerbe für einige Zeit die Schau zu stehlen. Etliche Touristen hatten wohl Mühe zu entscheiden, welcher Anblick denn nun mehr Aufmerksamkeit verlangte. Doch bald gelangten wir wieder in ruhigere Stadtviertel und schauten nun unsererseits den vielen Bootshäusern interessiert in die Fenster. Schön durchgewärmt von einer zügigen Fahrt erreichten wir nach fünf Stunden wieder unseren Ausgangspunkt am Sloterplas. Die Freunde vom KV Sloterplas hatten mit einem sehr preisgünstigen Grillangebot unsere Rückkehr vorbereitet und so konnten wir nach einem schnellen Versorgen der Boote unseren Hunger stillen.

Leider brachte der Sonntagmorgen mit unangenehmem Regenwetter eine Enttäuschung und so konnte sich kaum jemand entschließen, die vorgesehene Tagesfahrt von 31 Kilometern durch die Stadt zu machen. Stattdessen nutzten wir die Heimfahrt zu einem Abstecher in das schöne Käsestädtchen Edam, bewunderten das holländische Flair und genossen bei einem leckeren Mittagessen den Blick auf das weite Ijsselmeer.

 

Rainer Moitz